Lüch up und fleu herut

0222klootboys Die Sache mit dem Klootschießen ist ein paar Jahrhunderte alt und deshalb eine verdammt ernste Angelegenheit. Die Ostfriesen waren damals gefürchtet wegen ihrer Wurftechnik, mit der sie feindliche Schiffe beschossen – wozu Kanonen, wenn man die Kugeln auch einfach per Hand feuern konnte? Seitdem wird das Werfen eine Spur friedlicher an Land ausgetragen, Kleinkriege sind die Wettkämpfe aber trotzdem geblieben. In den ostfriesischen Zeitungen nehmen die Berichte über das Boßeln und Klootschießen im Sportteil oft mehr Seiten ein als die Fußball-Bundesliga – der Friesische Klootschießerverband hat immerhin 40.000 Mitglieder.

0222kloot Beim Spiekerooger Klootschießen tritt Westerloog gegen Osterloog an, also der Westteil der Insel gegen den Osten (die Grenze ist die Westmauer der Alten Inselkirche). Fast immer gewinnen die Westerlooger, in den letzten paar Jahren allerdings die Osterlooger. Die wurden deshalb nach altem Brauch zur Revanche gefordert, indem der Kloot, eine mit Blei ausgegossene Apfelholzkugel, in den ersten Baum jenseits der Demarkationslinie gehängt wurde. Bloß ließen die Osterlooger den Kloot seit Dezember einfach hängen – Herausforderung verweigert.

Bis heute morgen. Ging auch nicht anders, denn heute Abend ist Teeabend. Was so harmlos klingt und tatsächlich auch ganz harmlos mit Butterkuchen beginnt, ist die alljährliche legendäre Party, bei der die Spiekerooger noch ein letztes Mal unter sich sind und feiern, bevor sich am nächsten Wochenende mit dem Eintrudeln der nordrhein-westfälischen Karnevalsflüchtlinge die Insel wieder füllt. Allerspätestens Ostern ist es dann endgültig vorbei mit der Ruhe.

0222ecki

0222blümchen Normalerweise wird auf Kahlfrost gespielt, auf gefrorenen, aber schneefreien Feldern. Die sind in diesem Jahr nirgendwo zu finden, also zog man bei strammem Südwestwind an den Strand. Zwanzig Mann, zweimal zwei Fünferteams, Mann gegen Mann, Wurf gegen Wurf, mit ausgeklügelter Technik gegen Böen und Strandgefälle – und zu meiner Überraschung mit null Alkohol. Kein Flachmann, kein Köm, nix. Die Jungs nehmen die Sache wirklich ernst. Okay, es war neun Uhr morgens, aber trotzdem… Oben übrigens der 1. Vorsitzende des Spiekerooger Klootschießervereins in Aktion, Eckhard »Ecki« Wilken, links »Blümchen« (der normalerweise ein Gänseblümchen im Bart trägt, hier leider vom Winde verweht), ein Käkler – so heißen hier die Zuschauer – wie ich.

Gewonnen haben nach rund 90 Minuten die Westerlooger mit einem Schoet und 53 Metern Vorsprung. Nicht dass das wichtig wäre. Oder doch: nachher beim Teeabend.

0222klootcrew

P.S. Wen die Überschrift mystifiziert: Das ist der traditionelle Gruß der Klootschießer. Grob übersetzt: »Heb’s auf und wirf es weg.«

21 Gedanken zu „Lüch up und fleu herut

  1. Sarah Weigel

    Was ist denn hier los? Hört sich mehr nach Roter Liste als blauem Bus an ….Hier muss jemand mal den Mittelgang ordentlich durchkehren um die ganzen Werbeflyer loszuwerden…

    1. Meike WinnemuthMeike Winnemuth Beitragsautor

      Ich habe derzeit massive Probleme mit Kommentarspam, sorry, das Zeug flutet das ganze Blog. Wir arbeiten dran. Vorerst kann man nur kommentieren, wenn man sich anmeldet.

  2. Walli_Saar

    Schaaaade, dass es hier so still geworden ist (bis auf die sch…..nöden Spammer) *flunschziehe* 😉

    Potsdam scharrt sicher schon mit den Hufen in Meike-Erwartung – wir auch

  3. Johanna

    hmm, mich würde es ja nicht überraschen, wenn sich spiekerog als zweite heimat entpuppte und der aufenthalt ein bisschen verlängert werden würde…… 😉

      1. Elli

        Liebe Meike,
        das war ein vergnüglicher Abend in der Autostadt in Wolfsburg.
        Herzlichen Dank für so kurzweilige, amüsante Stunden.
        Gruß an Fiete.
        Liebe Grüße von Elli

    1. Elli

      Kleine Stippvisite – sie blieb ja in Niedersachsen.

      Es war ein kurzweiliger Abend.

  4. Susanne Pleines

    Hallo Meike!
    Nicht nur Deine Fiete-Fotos sind der Knaller! Vielen Dank! Ich muss echt schmunzeln!
    Gruß von Susanne und Hund Frieda

  5. Walli_Saar

    wo ist sie denn hin versackt, unsere Blogmutter? Ich hoffe, sie hat keinen Gezeitenfehler gemacht *zwinker* – aber zum Wochenende kommt doch bestimmt ein neuer Beitrag *hoff*

    1. Walli_Saar

      P.S. hätte ich mal ZUERST in die Fietefotos geschaut…da gibt es täglich Goldiges zu sehen

    2. claus

      @ WALLI_SAAR

      „blogmutter“ ist nicht „versackt“ .. Tz.. Tz.. // frau M.W. ist heute in der VW-AUTOSTADT in wolfsburg/niedersachsen – als gast – zu einer gespraechsreihe mit dem journalisten-kollegen joerg thadeusz [im stadt-cafe der autostadt, beginn: 20 h, eintritt: 15 euro] hier mehr darueber:
      http : // www . autostadt.de/de/veranstaltungen/

  6. Else

    Die Berichte sind wunderbar, zu gerne wäre ich auch mal wieder dort.
    Der Monat geht zu Neige, aber sollte noch Zeit sein kann ich nur einen
    Ausflug zum „Wrack Verona“ und dann weiter bis zum Ostende empfehlen.
    Nur bei Ebbe mit Rad am nassen Strandrand und einem besonderes munteren Fiete.
    Ganz am Ostende ist Wangeeroog super nah und beim Blick zurück ist
    von Spiekeroog nix zu sehen. Es hat vor vielen Jahren bei mir einen bleibenden
    Eindruck hinterlassen.

  7. Walli_Saar

    Das sieht nach viel guter Laune aus!

    Übrigens ist die gute Frau Winnemuth „schuld“ daran, dass diesen Samstag unser Bürgersteig nicht gefegt ist (ich hab die leidige Kehrwoche) und die Wäsche dieses Wochenende nicht gebügelt wurde: seit Freitagabend bin ich im Besitz von „Das große Los“ und dagegen fällt alles andere ab 🙂
    Die Hälfte hab ich durch und es tut mir jetzt schon leid, dass ich das nie wieder ein allererstes Mal werde lesen können

  8. Conni

    Liebe Meike,
    Ende März wird sich Spiekeroog vermutlich für ein Wochenende leeren :-).
    Dann findet „Insulaner unner sück“ statt, dieses Jahr auf Borkum.
    Beim alljährlichen Insulanertreffen kommen vor Saisonbeginn die kulturschaffenden Gruppen aller Inseln zusammen, der „Sieben zum Verlieben“.
    Liebe Grüße auf die Nachbarinsel 🙂 von Conni

  9. Tanja

    Also, so langsam bekomme ich doch Lust auf einer Nordseeinsel zu leben. Übersichtlich, schön, ein entspanntes Dasein…und wenn man Action braucht, muss man die sich selbst machen. Kein so schlechtes Lebenskonzept!:-)

    1. Cornelia

      @ Tanja , ich denke Frau Winnemuth hat schnell den Kontakt zu den „Einheimischen“ durch ihre journalistische Tätigkeit bekommen und ihre offene Art auf die Leute zuzugehen .In der Regel ist es schwierig in die Gemeinschaft der Insulaner aufgenommen zu werden , da sie lieber unter sich sind und Zugezogene eben Zugezogene bleiben .

      Probiere es aus , wenn du es dir leisten kannst , dort zu leben .

Kommentare sind geschlossen.